Wenn die Weihnachtsvorfreude zerstört wird

by Iris
Weihnachtsvorfreude

Ich muss jetzt mal einiges loswerden, was hier am Wochenende in unserer kleinen Idylle passiert ist. Patchworkpapa und ich sitzen bei unserem sonntäglichen Footballabend und sind nervlich und emotional einfach fertig. Ich bin wahnsinnig traurig dass wir einen eigentlich wunderschönen gemeinsamen 3. Advent mit den Kindern nicht genießen konnten. Obwohl es Erinnerungen an eine Weihnachtsvorfreude sein sollten, die für alle Beteiligten toll sind.

Die Kinder sind nicht die Schuldigen

Wisst ihr, was daran das „beste“ ist? Nicht die Kinder haben sich blöd benommen oder genervt und nicht Patchworkmann und ich haben irgendwelche Dispute gehabt – nein das Umfeld möchte uns anscheinend die sowieso oft herausfordernde Situation noch schwerer machen. Schwiegermütter in spe, Omas, Ex-Partner, alle gemeinsam haben sich mal gedacht:

„Wenn es so gut läuft bei denen, dann übertragen wir die negativen Emotionen einfach mal in die Patchworkharmonie.“

Manchmal liegen die Probleme dann so, dass man es nicht mehr fernhalten kann. Wir alle haben unsere Altlasten und hierfür reichen oft kleine Nadelstiche, um diese Wunden wieder aufzureißen. Da kann schon mal die größte Weihnachtsvorfreude flöten gehen.

Die eine und die andere Oma

Natürlich, wir sind alle genügend aufgeklärt: die Oma des einen Kindes ist nicht die biologische Oma der Patchworkkids. Es ist spannend, eine Oma ist mit ihren 72 Jahren manchmal zwar etwas eigen, aber für sie ist der Patchworkmann zusammen mit dem kleinen Patchworkbuben eine Bereicherung. Schon, als wir erst ein paar Monate zusammen waren, gab es Päckchen und ein Osternest. Auch vom Rest der Familie wurde er gleich so schnell integriert, dass, wenn möglich, jede Geburtstagsfeier auf die Wochenenden gelegt wurde, wenn der kleine Mann auch da ist. Auch dem Opa gefällt nun seine Doppelrolle und macht sich schon weit vorher Gedanken über die Geschenke und die Erlebnisse, die er mit allen Kindern beim nächsten Besuch machen möchte.  Die zweite Oma, die weitaus jünger ist, bekennt sich mittlerweile relativ offen zur Meinung, dass es nur einen Enkel gibt.

Ich möchte meine Kinder schützen

Der leibliche Papa hat derzeit nur Kontakt mit den Kleinen, wenn sie bei der Papa-Oma sind. Dann schaut er quasi vorbei, wie es ihm passt. Die Kids haben schon das Gefühl, dass sich einige wichtige Menschen im Umfeld nur aus Pflichtgefühl mit ihnen abgeben bzw. nur wenn es ihnen halt in den Kram passt und sie brav und lieb sind. Gerade auch aus diesem Grund hat sich die große Prinzessin auf die Patchwork-Oma gehängt. Als Bonus hat die „neue“ Oma immer eine tolle Frisur, ist geschminkt und hat schöne kunstvoll lackierte Fingernägel.

Der Patchworkmann hat derzeit noch seine Garconniere, in der aber mittlerweile nicht mal mehr das Bett des Kleinen steht. Obwohl die Oma auch bei uns schlafen könnte, sind meine beiden Männer in die Garconniere gefahren. Um die Wogen zu glätten, da die Oma ihren Enkel exklusiv und alleine bespaßen möchte.  Heute hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass sie aus reinem Pflichtbewusstsein noch auf einen Kaffee gekommen ist und die Annäherungsversuche der großen Maus eher „lästig“ als „liebevoll“ angenommen wurden.

Mich schmerzt es und es macht mich auch wütend. Ich bin in einem Alter, in dem ich meine Kinder von neuerlichen Schmerzen und Zweifeln fernhalten möchte. Sie sollen nicht schon wieder das Gefühl haben, eigentlich nicht willkommen zu sein. Auch eine Einladung in Wien galt nur dem Patchworkmann und dem Enkel. Diesmal nicht einmal die Höflichkeitsfrage, ob wir auch nach Wien kommen möchten. Bin ich empfindlich? Vielleicht, aber Mütter werden manchmal irrational, wenn sie das Wohl der Kinder im Blick haben, oder? Und vor allem wenn es um die Weihnachtsvorfreude geht.

Sternwarte, Christkindbrief und Höhlen bauen

Die Jungs haben gemeinsam (ohne Streit) das ganze Wohnzimmer umgebaut. Matratzen und Pölster, ihre Lieblingsspielsachen geholt und schon waren überall kleine Höhlen. Wir sind im Dunkeln auf die Sternwarte gewandert und ein Engerl hat die Wunschzettel eingesammelt. Mit großer Spannung haben wir den Heliumballon auf den Weg zum Christkind beobachtet.

Der 3. Adventsonntag, strahlende Kinderaugen, viele verspeiste Vanillekipferl und ganz viele Hoffnungen für Weihnachten. Und mittendrin: Zwei Erwachsene, die teilweise tief in Gedanken versunken waren, traurig und wütend zugleich. Keine Weihnachtsvorfreude. Wir konnten uns weder beim Höhlenbau ehrlich freuen, wir konnten nicht sehen, wie lieb und toll sie gemeinsam gespielt haben oder das Christkindlpostamt richtig genießen. Nicht einmal die Nerven für die letzten Änderungen im Christkindlbrief konnten wir aufbringen. Es waren einfach zu viele Einflüsse von außen. Zu viele Emotionen, die in unser Leben gebracht wurden und zu wenig Puffer, um alle abzuwehren. Ich bin wahnsinnig traurig darüber.

Ich liebe Weihnachten, ich finde es ist „das“ Familienfest und egal in welcher Konstellation – für die Kinder sollte man sich um jeden Zauber bemühen und heute konnte ich das nicht durchbringen. Im Gegenteil, ich glaube der Grinch wäre heute motivierender gewesen als ich.

So, erzählt mal, hat noch jemand so viele Menschen im „Außen“, die einem immer Steine in den Weg legen wollen? Habt ihr gute Ideen für „Schutzschilde“? Oder nehmt ihr das Ganze dann einfach locker?

Lest auch in unserem Blogartikel zum Thema Weihnachten und Silvester im Patchworkstyle, welche Organisation sowieso schon hinter diesen Festen stehen 😉 Ich werde mich jetzt um die Steigerung meiner Weihnachtsvorfreude kümmern 😉

 

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1 comment

Robert Mohar 19. Dezember 2019 - 21:42

Hallo „Frau“, der Artikel ist wie immer sehr gut geschrieben. Ich finde es gut, wenn du dir den aufgestauten Frust über sämtliche Komiker und Komikerinnen in und außerhalb der Familie von der Seele schreibst.

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