Emotionen der Kinder bei der Psychotherapeutin

by DieFrau
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Irgendwann kommt der Punkt, wo man seine Kinder beobachtet und weiß – gewisse Fragen/Emotionen/Ängste kann ich alleine nicht beseitigen. Ich  bin die Mutter, irgendwie befangen, irgendwie werde ich geschützt, irgendwie werden manche Themen nicht mit mir besprochen. Zumindest nicht aus den Tiefen der Seele. Die Traurigkeit und die Verletzungen sind trotzdem da. Nachdem mich diese Ohnmacht zuerst geschmerzt hat, habe ich eine Therapeutin meines Vertrauens gewählt und nach einem langen „Vor-„Telefongespräch einen Termin gemeinsam mit den drei Kids vereinbart.

Wie habe ich die Notwendigkeit bemerkt?

Unsere Kinder haben immer wieder Entwicklungsstufen, wo Wutausbrüche und Grenzen austesten ganz normal sind. Wenn sich aber, vor allem nach Wochenenden, an Vatertagen etc. verhältnismäßig starke Ausbrüche zeigen, bei Kleinigkeiten, dann sollte man näher hinschauen. Meist sieht man dann, dass das Kind in einer Emotion feststeckt und selber den Wutanfall oder die Trauer weder erklären noch eingrenzen kann. Gerade in noch jungen Jährchen haben die Kinder noch nicht das Werkzeug sich auszudrücken und sind dann gefangen. Sie können den Schmerz nicht zuordnen und die Wut gegen die Welt nicht erklären. Für mich und auch für den Patchworkpapa war klar, dass Hilfe von außen vielleicht ein Zugang für die Kinder ist.

Wie erklärt man den Kleinen so einen Termin

Während der Patchworkpapa gestern einen wichtigen Termin für unser kleines, feines Business hatte, waren wir bei der Psychotherapeutin. Mit der großen Madame war die Vorbereitung eine andere. Ich konnte ihr erklären, dass die beiden Jungs eine außenstehende Hilfe brauchen würden. Wir können ihnen noch so oft sagen, dass sie keine Schuld an der Trennung haben – von außen trifft es ganz woanders. Gemeinsam holen wir die kleinen Männer vom Kindergarten. Schon im Auto kommt immer die erste Frage: Mama, wo fahren wir jetzt hin?

Mit 6 Jahren verstehen sie zumindest genug, um zu wissen, dass ihre Wutausbrüche und das traurige Gefühl in ihnen einen Grund hat. Ihre Traurigkeit und das Unverständnis einen Papa zu haben, der nicht weit weg wohnt und Zeit hätte – sie aber trotzdem weder holt, noch sich bei ihnen meldet, kann ich ihnen leider nicht nehmen. Deshalb fahren wir zu Julia (nennen wir sie mal so), mit der können wir alle sprechen.

Mit Julia könnt ihr über alles sprechen – die erzählt es niemanden, die kann euch Tipps geben und sie ist weder wütend noch traurig über das, was ihr erzählt.

Neues Umfeld – das erste Kennenlernen

Ganz wichtig beim ersten Treffen, ist das „Sein lassen“. Klingt einfach – ist es nicht. Die Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf diese Situation. Sie werden Dinge gefragt, sie werden ein bisschen begutachtet und sie checken natürlich auch ihr Gegenüber ab. Wie reagiert diese Julia, wenn ich ihr nicht zuhöre? Ist es wirklich in Ordnung, dass ich ihr auf manche Fragen keine Antwort geben möchte?

Ich habe mich als Mama ganz bewusst in den Hintergrund gesetzt und habe sie so sein lassen. Man muss, genauso wie bei den Pädagogen in Schule und Kindergarten, die Zügel aus der Hand geben können und darauf vertrauen, dass das Gegenüber weiß was zu tun ist.

Der Termin war gestern sehr interessant und an manchen Punkten fast witzig, da ich im Hintergrund meine drei Schätze beobachten konnte. Es war spannend zu sehen, wer offen über Dinge spricht, wer in eine Schutzhaltung geht und wen doch was stört. Überraschenderweise offenbarte sich ein richtiger Rollentausch. Introvertiert war extrovertiert und Wutausbruch kam von dem sonst sehr gefassten Kind. Auf solche Dinge muss man gefasst sein!

Mama-Emotionen bei der Psychologin

Der Moment, wo dein 6 jähriger an einem Tisch sitzt und der Psychologin klar ins Gesicht sagt:

Ich bin so traurig, dass der Papa uns einfach nicht mehr holt und es macht mich wütend.

Kaum zu beschreiben, welche Emotionen auch bei mir nach drei Jahren noch hoch kommen. Man versucht doch immer seine Kinder zu beschützen und bei dem Punkt legt man die Hände in den Schoß und ist machtlos. Niemand kann ihnen den Schmerz nehmen und niemand die Erklärung, warum jemand so handelt.

Während der Gespräche zeichneten alle drei eine Zeichnung, auf der die Familie sein soll. Ganz unterschiedliche Zugänge, ganz unterschiedlicher Umgang. Auch ohne psychologische Ausbildung trifft einem manchmal der Schlag der Erkenntnis. Der Patchworkpapa wird als Beschützer dargestellt und von der lieben Fee wünscht man sich, dass der Stiefbruder immer da ist und nicht nur am Wochenende. Welchen Stellenwert Menschen erhalten und was Kinderaugen sehen, ist immer wieder verblüffend.

Die Trauer und das Bewusstsein über das Fehlen

Eine Emotion, die einfach alles andere überlagert ist die Trauer. Wie offen die Kleinen gleich gesagt haben, wie traurig sie eigentlich sind und wie sehr sie ihren Papa vermissen. Ich stelle mir immer wieder die Frage:

Wie erkläre ich meinen Kindern, warum der Papa nicht kommt?

Mittlerweile lässt sich nämlich auch nichts mehr „beschönigen“. Sie sind in einem Alter, in dem sie von sich aus bereits sagen – er arbeitet nicht so viel/ am Wochenende hat er Zeit/ er hat ein Auto/ er kann einfach anrufen – und man steht als Mutter daneben und will einfach das Bild Papa nicht zerstören.

Papas sind wichtig

Papas sind für Kinder immer Helden, egal wie viel Mist sie bauen. In dem Alter, wird er stilisiert und hoch gehalten. Wenn dieses Bild anfängt zu bröckeln, kann man beobachten, wie das Herz ein Stück bricht. Sie lieben ihren Patchworkpapa und er versucht alles abzudecken – emotional, physisch,… – aber das Bewusstsein einen Papa zu haben, der zwar könnte, es aber nicht tut, ist für Kinder nicht verständlich.

Es gibt Tage, da ist das Thema nicht präsent und es gibt Tage, da umschlingt die Kinder eine Traurigkeit und eine Wut, die man fast schneiden kann. Nur zuhause, nur in ihrer sicheren Blase – aber sie ist immer da. Bei einer Trennung muss einem immer bewusst sein, dass wir den Kindern dadurch Schaden zufügen. Emotionen, die immer da sein werden und Fragen, die immer nach Antworten verlangen werden. Es ist keine Schande, sich Hilfe zu suchen. Es ist gut, wenn Kinder mehrere Stellen haben, wo sie ihre Sorgen und Probleme deponieren können. Jeder hat auch einen anderen Zugang und sie nehmen sich überall etwas heraus, mit dem sie arbeiten können. Auch bei dem Termin ist herausgekommen, sie werden die Mama immer schützen, sie wollen niemanden traurig machen und bemühen sich quasi um Stärke. Aber sie müssen Orte haben, an denen sie schwach sein können und sollen.

Mehr Platz für Emotionen!

Die verschiedenen Charaktere

Wir hatten jetzt einen Kennenlerntermin mit allen Kids und jetzt kommen die Einzeltermine. Einfach auch deshalb, weil sich einer als „Redensführer“ herauskristallisiert hat und der Rest der Schiene gefolgt ist. Mir ist es aber wichtig, dass jeder Zugang beleuchtet werden kann. Es sind drei Individuen – drei Gefühlsstrukturen – drei kleine Menschen mit verschiedenen Emotionen.

Der kleine Mann, der versucht hat am Stärksten zu sein und auf alle Fragen geantwortet hat, ist nach 40 Minuten in eine sehr angespannte Haltung geflüchtet. Unruhig und wütend ist er in der Praxis hin- und hergelaufen. Die Energie war greifbar – die Erkenntnis:

Hier haben wir wunde Punkte getroffen, die weh tun.

Jeder von uns geht mit Schmerzen anders um. Er ist wütend geworden und hat danach ganz viel Kuscheln und Liebe gebraucht. Wenn man diesen Weg geht, muss klar sein – mit den Emotionen alleine lassen geht nicht! Der Prozess muss auch zuhause begleitet werden, die Kinder werden ganz unterschiedlich reagieren und werden vielleicht ganz neue Verhaltensweisen an den Tag legen.

 

Habt ihr Erfahrung mit solchen Situationen? Wie erging es euch in dem Prozess? Tipps und Tricks?

 

Wünsche euch einen schönen Tag und bleibt immer positiv! 🙂

 

Lest auch gern mal hier rein: Wutausbrüche bei Trennungskindern

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